Internet über das 220-V-Stromnetz? Warum nicht?
20. 5. 2020
Nicht jede Scheidung ist wie die andere. Kennen Sie jemanden, der heutzutage eine Scheidung will? Wenn ja, werden Sie wahrscheinlich sagen, dass er verrückt ist. Wie viele Jahre hat ihnen dieser feste Bund gehalten? Und jetzt? Da gibt es nicht viel zu sagen! Eine solche Scheidung bringt meist viel Ärger, Sorgen, Papierkram und Lauferei zu den Gerichten mit sich. Auch der ruhige Schlaf bleibt dabei auf der Strecke, und obendrein kostet das nicht wenig Geld. Außerdem muss man in eine solche Scheidung viel Energie stecken. Die Spannung, wie sich alles entwickelt. Die Erwartung, ob beide Seiten gebührend zufrieden sein werden. Wenn alles vorbei ist, sind alle völlig ausgelaugt und brauchen dringend neue Akkus. Das mag ziemlich verrückt klingen, aber wir kennen eine Scheidung, mit der fast jeder zufrieden sein wird.
Schon aus der Überschrift wird sonnenklar, dass sich unser Wortspiel auf die Verkabelung des Internets über 220-V-Steckdosen bezieht.
TIPP: Haben Sie Probleme mit der Verbindung und wissen nicht mehr weiter? Lesen Sie auch unseren Artikel Was tun, wenn das Internet nicht funktioniert.
Wenn WLAN zur Science-Fiction wird
Ziemlich häufig nutzt man, um den bereits vorhandenen Internetanschluss in mehrere Räume zu bringen, das klassische WLAN, also die drahtlose Variante. Sobald das WLAN aus irgendeinem Grund nicht erreichbar oder unzureichend ist, greift die Mehrheit der Menschen meist zur Variante mit Kabel. Was aber tun, wenn Sie kein Kabel durch die Wohnung ziehen wollen oder können? Schlitze in die Wand stemmen? O weh! Hässliche Kunststoffleisten anbringen? Niemals!
Eine Möglichkeit gäbe es aber doch. Wie wäre es, die vorhandenen Stromleitungen zu nutzen? Die können sowohl eine zuverlässige Stromübertragung als auch die Übertragung von Daten gewährleisten. Die Datenpakete werden nämlich auf hohen Frequenzen übertragen. Stromleitungen benötigen keine zusätzlichen Kabel, verunstalten nicht die Inneneinrichtung, und Ihr ästhetisches Empfinden bleibt verschont. Das ist ein weiterer Pluspunkt.
Wie das Internet über Stromleitungen funktioniert
Die Umsetzung der Verbindung ist sehr einfach, dafür benötigen Sie nur Powerline-Adapter und ein Kabel. Einen der Adapter verbinden Sie mit einem Netzwerkkabel mit Ihrem Modem und stecken ihn gleichzeitig in eine beliebige Steckdose. Den zweiten Adapter stecken Sie an einer anderen Stelle in der Wohnung ein. Im Grundzustand verbinden Sie so zwei Geräte; es ist aber kein Problem, später weitere zu kaufen und bis zu sechs nebeneinander anzuschließen.
Danach müssen Sie nur noch eine Taste drücken, wodurch sich die angeschlossenen Geräte gegenseitig koppeln. Konfigurieren gibt es eigentlich nichts, und da die Geräte über keinerlei Verwaltungsoberfläche verfügen, gibt es auch keine Möglichkeit dazu. Die Installation aller Komponenten und ihre Verbindung sind daher trivial und selbst ein Laie kann sie bewältigen.
Ausgewählte Modelle können selbst zu aktiven WLAN-Komponenten werden, oder man kann über Netzwerkkabel zwei Computer verbinden. Die gegenseitige Kommunikation ist mit einer 128-Bit-AES-Verschlüsselung gesichert.
Vorteile des Internets über Stromleitungen
Diese Technik zur Datenübertragung über Stromleitungen heißt PLC, die Abkürzung für das englische Powerline Communication. Es handelt sich um eine Technologie, die erstmals vor einigen Jahrzehnten aufkam. Das bedeutet aber nicht, dass sie veraltet wäre. Im Gegenteil: Dank des technischen Fortschritts entstehen immer ausgereiftere Adapter. Durch die steigende Netzkapazität und höhere nominelle Übertragungsraten nehmen auch die Datenmengen zu, die sich in angemessener Zeit übertragen lassen (bis zu 300 Mbit/s). In vielen Fällen ist das eine weitaus geeignetere Alternative zum WLAN-Signal, dort wo es durch bauliche Hindernisse nicht hindurchdringt oder wo die starke Nutzung des Frequenzspektrums durch gegenseitige Störungen zu einem Rückgang der Übertragungsgeschwindigkeit führt.
Reichen Powerline-Verbindungen an Geschwindigkeit und Stabilität aus?
Das hängt von den Umständen ab. Grundsätzlich ist eine Verbindung über Kabel weniger problematisch, stabiler und kostengünstiger. WLAN ist beispielsweise bei Stahlbetonkonstruktionen von Plattenbauten problematisch, da diese die Ausbreitung des Signals negativ beeinflussen können, oder bei Gebäuden mit dicken Wänden, die das Signal ebenfalls nur schwer durchdringt.
Powerline-Lösungen zeigen in Plattenbauten im Allgemeinen eine zufriedenstellende Geschwindigkeit, die mit der eines WLAN-Netzes vergleichbar ist. Dabei müssen Sie nicht befürchten, dass eine aufwendige Sanierung ansteht, auch dann nicht, wenn in Ihrer Wohnung noch alte Aluminiumleitungen verlegt sind. Allerdings sollten Sie damit rechnen, dass sich die Lage verkompliziert, sobald Sie ein Netz etwa für ein ganzes Mehrfamilienhaus wünschen. Die 220-V-Leitung muss nämlich in jeder Wohnung auf derselben Phase liegen. Powerline-Netze können durch Geräte wie Waschmaschine oder Staubsauger gestört werden. Auf die Qualität der Kommunikation zwischen den Routern können sich außerdem die Sicherungen vor der Wohnung auswirken.
Die vom Hersteller angegebene Reichweite beträgt etwa
Anschaffungs- und weitere Zusatzkosten
Mit der massenhaften Verbreitung von Powerline-Adaptern sind auch die Preise gesunken. Mit dem günstigsten Set aus zwei Stationen kommen Sie sogar auf einen Betrag von höchstens 1.000 CZK. Sie müssen sich allerdings damit abfinden, dass sie untereinander nicht schneller als mit 200 Mbit/s kommunizieren können.
Auch die Energieeffizienz dieser Geräte hat sich deutlich verbessert. Der Adapter benötigt im aktiven Betrieb 4 W, kann aber in den Ruhemodus wechseln, sobald kein Netzwerkverkehr herrscht. Dann sinkt sein Verbrauch auf 0,5 W.
Und das ist schon alles. Sagen Sie einfach Simsalabim – und schon haben Sie ein zuverlässiges Hochgeschwindigkeits-Computernetz für Ihren Haushalt, das Sie mit nur minimalen Kosten aufgebaut haben. Auf jeden Fall deutlich weniger, als eine echte Verkabelung kosten würde.

Beispiel für Installation und Nutzung:
Zweistöckiges Haus mit einer Konstruktion aus Ziegelhohlblöcken und Decken aus Stahlbetonstürzen. Im Wohnbereich des Hauses steht ein drahtloser Router mit den Frequenzbändern 2,4 und 5 GHz. In einem anderen Raum des Hauses, der als Arbeitszimmer genutzt wird, stehen Desktop-Computer mit WLAN-Modul sowie ein Multifunktionsdrucker und ein Scanner. Die Geräte arbeiten im Netzwerkmodus, besitzen aber kein WLAN-Modul.
Im oberen Stockwerk befinden sich die Wohnzimmer und das Schlafzimmer. Das WLAN-Signal des Routers reicht bis hierher, ist aber schwach und für den Betrieb von IPTV-Kabelfernsehen ungeeignet. Der Smart-TV kann sich allerdings direkt per Kabel mit dem Internet verbinden. Wie kommt man da heraus?
Zum Beispiel stecken Sie ein Powerline-Gerät der Firma TP-Link, TL-PA4010, in die 220-V-Steckdose neben dem Router des Heimanschlusses und verbinden es per Kabel mit dem LAN-Port des Routers. Ein weiteres Gerät stecken Sie in die Steckdose, an der im Arbeitszimmer das Gerät angeschlossen ist. Die Kopplung erfolgt automatisch: Nach dem Drücken der Taste am Modul an der Datenquelle genügt es, bequem ins Arbeitszimmer zu gehen und dort dieselbe Taste am zweiten Modul zu drücken. Und genauso schließen Sie auch den Fernseher im Wohnzimmer im oberen Stock an, und vielleicht noch weitere Geräte.
Powerline-Geräte für den Heimgebrauch hat so ziemlich jeder IT-Hersteller auf den Markt gebracht. Erst die inzwischen mehrfach weiterentwickelte Technik ist aber wirklich zuverlässig und benötigt wenig Einrichtung und Wartung. Empfohlen wird der TP-Link TL-PA4010 von den Internetanbietern Eurosignal, ÚVT und Újezd.net. Die Installation schafft sogar ein kleines Mädchen. Die Kommunikation ist tatsächlich nur durch die Portgeschwindigkeit von 100 Mbps begrenzt, und meiner Meinung nach liegt die vernünftige Grenze bei 5 gleichzeitig voll genutzten Geräten.
Aktualisierung 16. Februar 2024